Das Rentier erzählt die Geschichte
Die Rentierzucht ist einer der zentralsten Bestandteile der samischen Kultur – eine jahrhundertealte Tradition. Vom Rentier bezogen die Samen Nahrung, Wärme und Materialien für Alltagsgegenstände, Kunst und Schmuck.
Auch in Máret Ánne Saras Werk spielt das Rentier eine zentrale Rolle. Sie gab ihm den Namen Gapmu – das samische Wort für „Bauchgefühl“. Die Künstlerin wuchs selbst in einer Rentierzüchterfamilie in Kautokeino auf und ist bekannt für ihr politisches Engagement und ihre persönliche Stilistik. Als Motiv wählte sie die Fettmembran eines Rentiers. Durch digitale Bearbeitung wurde das Muster vergrößert – und in den Konturen des Bildes kann man eine spirituelle Figur aus der samischen Mythologie erahnen.
Monica Milch Gebhardt beschreibt das Werk als eine Verkörperung des Vorhangs, eine Hommage an samisches Wissen und die tief verwurzelte Beziehung zwischen Mensch und Natur.
Materialwahl und technische Herausforderungen
Ursprünglich war ein traditioneller, seitlich aufgehängter Vorhang geplant, doch im Laufe der Arbeit entschied man sich für eine Hebekonstruktion als bessere Alternative. Big Image erstellte Skizzen, Prototypen und testete verschiedene Materialien, bevor die Wahl schließlich auf Baumwolle fiel. Dieses bewährte Material aus der Theaterwelt hat einen natürlichen Fall, der dem Vorhang eine weiche und fließende Drapierung verleiht. Außerdem konnte der Vorhang so in einem einzigen Stück – völlig nahtlos – gedruckt werden.
Bei einem Vor-Ort-Besuch spürte die Künstlerin, dass noch etwas fehlte. Um dem Motiv zusätzliche Tiefe zu verleihen, fügte sie Fransen hinzu, die sie von Hand annähte – eine Hommage an die duodji-Tradition, das samische Wort für Kunsthandwerk.
Der Besuch war entscheidend für das Endergebnis. Er bot die Möglichkeit, den Vorhang mit Licht zu testen und letzte Farbkorrekturen vorzunehmen, um die gewünschte Atmosphäre zu schaffen und das Werk perfekt an das Gebäude anzupassen. Das Resultat ist ein Vorhang, der weit mehr als nur eine visuelle Erfahrung vermittelt – er trägt eine Geschichte, eine Tradition und ein Erbe in sich.