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Monumentale Gemälde im Wandel

Überblick

Neun monumentale Gemälde sind ein wesentlicher Teil der Szenografie für eine neue Reitgala des legendären Cadre Noir de Saumur. Allein durch Licht verändern sich die Motive und die Gemälde werden selbst Teil der Erzählung.

Monumentale Gemälde im Wandel

Seit fast zweihundert Jahren führt der Cadre Noir de Saumur die Tradition der klassischen französischen Reitkunst fort. Von seiner Heimat im französischen Saumur aus ist das Ensemble weit über die Landesgrenzen hinaus für seine Darbietungen bekannt, bei denen Pferd und Reiter im Mittelpunkt stehen.

Für eine neue Gala wollte die Szenografin Anne-Sophie Grac große Gemälde zu einem Teil der Erzählung machen – statt sie nur als Hintergrund für das Geschehen in der Arena einzusetzen. Ihre Vision war, dass sich die Gemälde im Laufe der Vorstellung verändern sollten, ganz ohne Video oder Projektion.

Hoch über der weitläufigen Arena des Grand Manège schweben neun beleuchtete Paneele. Zunächst fügen sie sich zu einem hellen, beinahe traumartigen Himmel zusammen. Dann verändert sich das Licht und plötzlich treten Pferde aus dem Motiv hervor – auf derselben Fläche, auf der kurz zuvor nur Himmel zu sehen war.

Es wirkt beinahe wie ein digitaler Effekt. Doch hinter der Verwandlung stecken weder Bildschirme noch Projektion – nur gedruckte Bilder und Licht.

Wenn die Gemälde eine eigene Rolle übernehmen

Eine frühe Inspirationsquelle war das Bühnenbild für Jean-François Sivadiers Inszenierung von La Traviata beim Festival d’Aix-en-Provence, bei der Paneele in Form großer Stoffbilder über der Bühne schwebten. Laurence Sautet, die künstlerische Leiterin der neuen Reitgala, hatte Anne-Sophie das Bühnenbild gezeigt, und die Idee faszinierte sie. Doch was wäre, wenn man diese Idee weiterentwickeln könnte und sich auch die Motive verändern würden?

Anne-Sophie entschied sich, den Gemälden eine andere Aufgabe zu geben, als lediglich das Geschehen in der Arena widerzuspiegeln. Sie sollten eine eigene Perspektive auf die Pferde eröffnen und selbst Teil der Erzählung werden.

Gemeinsam mit dem Künstler Merlin Riand entwickelte Anne-Sophie die Darstellung der Pferde und die Rolle der Gemälde innerhalb der Inszenierung weiter. Für die Gala gab es einen eigens geschriebenen Text, der die Erzählung voranführen sollte. Anne-Sophie wollte, dass die Gemälde eine ähnliche Funktion übernehmen.

Diese Entscheidung prägte die weitere Entwicklung. Wenn sich die Gemälde vor den Augen des Publikums verändern sollten, ohne auf Video oder digitale Technik zurückzugreifen, musste die Lösung in der Szenografie selbst liegen.

Eine neue Dimension durch Licht

Anne-Sophie wandte sich bereits früh im Prozess an Big Image. Sie hatte die Translight-Technik von Big Image schon bei früheren Projekten eingesetzt und wusste, welche Wirkung sich damit erzielen lässt. Diesmal sollte sie jedoch in einer völlig anderen Größenordnung zum Einsatz kommen.

Das Grand Manège ist eine 75 Meter lange Arena. Anne-Sophie stellte sich neun schwebende, beleuchtete Paneele vor, jedes davon 4 × 5 Meter groß. Sie mussten groß genug sein, um in dem gewaltigen Raum zu bestehen, und gleichzeitig die Leichtigkeit bewahren, die Anne-Sophie sich vorgestellt hatte.

„Wir brauchten Größe und Leichtigkeit zugleich – und das ist nicht einfach zu erreichen.“

Während der Vorstellung sollten die Paneele außerdem auf- und abfahren können, wobei Licht und Bilder die Bewegung mitmachen mussten. Die Gala sollte an verschiedenen Orten gezeigt werden, daher musste sich die Szenografie gut transportieren und an unterschiedliche räumliche Gegebenheiten anpassen lassen.

Die Lösung waren Leuchtkästen. Big Image entwickelte komplette abgehängte Aluminiumkonstruktionen mit integrierter Beleuchtung. Zwei unterschiedliche Bilder wurden auf dieselbe Fläche gedruckt und je nach Beleuchtung wurde das eine oder
das andere sichtbar. So konnten sich in den neun Leuchtkästen insgesamt 18 verschiedene Motive abwechseln.

Im Verlauf der Gala ging ein gemaltes Motiv in das nächste über. Der Effekt war so unerwartet, dass Anne-Sophie vermutete, viele Zuschauer hielten ihn zunächst für eine Form der Projektion.

„Ich glaube, viele denken, es sei eine Videoprojektion. Es ist wirklich magisch zu sehen, wie die Pferde plötzlich im Bild erscheinen.“

Doch es gibt keine Projektion. Alles geschieht innerhalb der physischen Szenografie – im Zusammenspiel von Druck und Licht.

Für mehr als eine Bühne gemacht

Die visuelle Wirkung war nur ein Teil der Aufgabe. Die großen Leuchtkästen mussten auch so konstruiert sein, dass sie mit auf Tournee gehen konnten.

Ursprünglich hatte Anne-Sophie vorgesehen, die Gemälde auf Baumwolle zu drucken– ein Material, mit dem sie bereits bei früheren Projekten mit Big Image gearbeitet hatte. Doch die großen Aluminiumkonstruktionen stellten ganz andere Anforderungen an die Eigenschaften des Gewebes, damit es sich in den Rahmen spannen ließ. Statt Baumwolle schlug Big Image deshalb ein Polyestergewebe vor, das sich für die Konstruktion eignete und gleichzeitig die gewünschte Translight-Wirkung ermöglichte.

Bei einem Punkt gab es allerdings keinen Spielraum: Die Gemälde durften nicht durch eine Naht gestört werden. Deshalb wurde jedes 4 × 5 Meter große Bild nahtlos in einem Stück gedruckt, sodass Merlin Riands Gemälde in ihrer ganzen Fläche erhalten blieben.

Auch beim Transport stellte die Größe eine Herausforderung dar. Das Aluminium-Team im Stockholm Studio von Big Image entwickelte die Rahmen deshalb in zwei Teilen. So ließen sie sich leichter transportieren und bildeten nach dem Aufbau dennoch wieder eine durchgehende Einheit.

Je nach Größe der Arena kann die Szenografie aus sechs, acht oder neun Leuchtkästen bestehen. Auch die Rahmen selbst sind für eine weitere Nutzung ausgelegt. Werden die bedruckten Textilien ausgetauscht, kann dieselbe Konstruktion später eine vollkommen neue Bildwelt tragen.

Wenn die Idee in der Arena Gestalt annimmt

Als die Szenografie schließlich im Grand Manège installiert war, zeigte sich, wie wichtig die richtige Größenordnung für die Gesamtwirkung ist. Trotz ihrer Größe bewahrten die Gemälde jene Leichtigkeit, die Anne-Sophie von Anfang an vor Augen hatte.

Anne-Sophies ursprüngliche Idee war damit in der Arena angekommen – Gemälde, die die Vorstellung nicht nur umgaben, sondern selbst Teil der Erzählung wurden.

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